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Der Merkurtransit am 07.05.2003

Merkurtransit am 07.05.2003

Der Merkurtransit vom 07.05.2003 war mit Sicherheit der am meisten beobachtete der Geschichte. Dies hatte mehrere Gründe:
- Der Transit war zumindest in Teilen seines Verlaufs in ganz Asien, Europa, Afrika und Australien sichtbar.
- Via Internet wurde das Ereignis im Vorfeld ausgiebig kommuniziert.
- Der Merkurdurchgang wurde als Testlauf für den Venustransit im folgenden Jahr betrachtet und in entsprechende Outreach-Projekte einbezogen.
- In Europa war die "Awareness" für astronomische Ereignisse erhöht, weil dort im gleichen Monat eine Totale Mondfinsternis und eine Ringförmige Sonnenfinsternis stattfanden.
- In Europa war der Himmel am Tag des Transits weitgehend wolkenfrei.

Satellitenbild (Infrarot, Ausschnitt) von NOAA 16 vom 07.05.2003, 03.28 MESZ Satellitenbild (Infrarot, Ausschnitt) von NOAA 16 vom 07.05.2003, 05.09 MESZ Satellitenbild (Falschfarben, Ausschnitt) von NOAA 17 vom 07.05.2003, 11.50 MESZ Satellitenbild (Falschfarben, Ausschnitt) von NOAA 16 vom 07.05.2003, 13.23 MESZ

Satellitenbilder (Infrarot bzw. falschfarben, Ausschnitte) von NOAA 9 (07.05.2003, 03:28 und 05.09 MESZ), von NOAA 17 (11:50 MESZ) und von NOAA 16 (13:23 MESZ). Image courtesy to Dundee Satellite Receiving Station, Dundee University, Scotland.

Wer selber kein ausreichendes Gerät zur Beobachtung des Merkurtransits besaß konnte sich einer der zahlreichen öffentlichen Beobachtungen anschließen. Die wohl ungewöhnlichste fand in Bonn statt. Auf dem dortigen Planetenlehrpfad am Rheinufer wurde der Transit von Lehrern und Schülern gleichzeitig am Himmel und am Modell beobachtet. Die Schüler gaben ihr neu erworbenes Wissen gleich an Passanten weiter. Alternativ hatte man die Qual der Wahl zwischen über 30 Webcastings aus zahlreichen Ländern und sogar aus dem Weltraum (letzteres allerdings zeitversetzt). Eine interessante Erkenntnis war, dass der Transit im Gegensatz zu früheren Literaturangaben durchaus mit einem Fernglas (z.B. 10x30 oder 10x50) wahrgenommen werden konnte.
Noch nie nach einem astronomischen Ereignis wurden so schnell so viele Berichte und Fotos in Foren und auf Webseiten präsentiert. Binnen Stunden waren hunderte von Fotos online. Wer mit seinen Bildern erst am nächsten oder übernächsten Tag kam, entschuldigte sich bisweilen bei den anderen Forumsteilnehmern.

Aus wissenschaftlicher Sicht war der Merkurdurchgang 2003 ebenfalls ein Probelauf für den Venustransit. John E. Westfall wies im Vorfeld - wie bereits 1999 auf bis dato nicht restlos erklärte optische Phänomene bei früheren Merkurtransits hin. Neben dem "Schwarzen Tropfen" waren dies helle oder dunkle Ringe um das Merkurscheibchen sowie Lichterscheinungen auf diesem. Ließen sich letztere gut mit Beugungserscheinungen im Teleskop des Beobachters erklären, so war dies beim "Schwarzen Tropfen" etwas komplizierter. Die satellitengestützten Beobachtungen beim Merkurdurchgang 1999 hatten gezeigt, dass das Phänomen selbst beim Einsatz modernster Optiken außerhalb der Erdatmosphäre in schwacher Form auftritt. Nach Tom van Flandern (Artikel) tragen bei erdgebundenen Beobachtungen auch durch die Erdatmosphäre bedingte optische Effekte zum Tropfeneffekt bei. Aufnahmen von SOHO und auch qualitativ hochwertige erdgebundene Bilder aus La Palma zeigten das Phänomen beim Merkurtransit 2003 allerdings nicht. Offensichtlich, so ergibt sich aus aus einer Diskussion bei Astronomie.de, entsteht der Tropfeneffekt zumindest beim Merkur durch schlechtes Seeing (Animation von Ralf Vandebergh), Kontrasteffekte, unzureichende Optiken oder eine Kombination von allem. Auf ein Kontrastproblem weisen die Fotos von La Palma hin. Dort ist rund um das pechschwarze Merkurscheibchen ein rötlicher Saum zu sehen (Beispielfoto). Dies könnte auch eine Erklärung für die in der Vergangenheit beobachteten Ringe um das Merkurscheibchen liefern.

Zeitraffer des Merkurtransits am 07.05.2003.

Links und Literatur

Merkurtransit.de: Linksammlungen zum Transit 2003

Merkurtransit.de: Beobachtungs- und Erlebnisbericht aus Bonn

Infoseite aus Indien

Beobachtungshinweise von John E. Westfall

Outreach-Projekt der ESO

Outreach-Projekt von Prof. Dr. Udo Backhouse

Fotos des 1m-Sonnenteleskops auf La Palma

Fotos des Sonnenbeobachtungs-Satelliten SOHO

Anonymus (2003): The transit of Mercury on 2003 May 7. Journal of the British Astronomical Association 113 (4), 225. (Ansicht und Download)

Briand, C.; Mattig, W.; Ceppatelli, G. & Mainella, G. (2006): Mercury Transit for Stray Light Evaluation - IPM-THEMIS Case. Solar Phsics 234 (1), 187-201. (Abstract)

Emilio, Marcello; Kuhn, Jeff R.; Bush, Rock I. & Scholl, Isabelle F. (2012): Measuring the Solar Radius from Space during the 2003 and 2006 Mercury Transits. arXiv:1203.4898. (Download (pdf, 1.6 mb))

MacDonald, Peter (2002): Letter to the Editor - The transit of Mercury on 2003 May 7. Journal of the British Astronomical Association 112 (5), 244. (Ansicht und Download)

MacDonald, Peter (2003): The transit of Mercury on 2003 May 7. Journal of the British Astronomical Association 113 (5), 253-254. (Ansicht und Download)

Alessandro Muraa; Peter Wurzb; Herbert I.M. Lichtenegger; Helmold Schleicherd; Helmut Lammerc; Dominique Delcourte; Anna Mililloa; Stefano Orsinia; Stefano Massettia & Maxim L. Khodachenkoc (2009): The sodium exosphere of Mercury - Comparison between observations during Mercury's transit and model results. Icarus 200 (1), 1-11. (Abstract)

Schleicher, H.; Wiedemann, G.; Wöhl, H.; Berkefeld, T. & Soltau, D. (2003): Detection of neutral sodium above Mercury during the transit on 2003 May 7. Astronomy & Astrophysics 425, 1119-1124. (Ansicht)

Schneider, G.; Pasachoff, J.M. & Golub, L. (2005): Space Studies of the Black-Drop Effect at a Mercury Transit. Highlights of Astronomy 13, 70-72. (Ansicht)

Westfall, John E. (2003): A decade of Mercury/Venus transits. Journal of the Association of Lunar & Planetary Observers, The Strolling Astronomer 45 (1), 16-25. (Ansicht und Download)