Merkurtransit 2016
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Die Geschichte der Merkurtransits


Musik: W.A. Mozart, Sonata in C.

Für die meisten astronomisch Interessierten ist ein Merkurtransit zunächst einmal ein seltenes und faszinierendes Himmelsereignis, das sie wenn eben möglich beobachten möchten. Merkurtransits haben aber auch eine gewisse Bedeutung in der Astronomiegeschichte und sind in Sonderfällen sogar heute noch von wissenschaftlicher Bedeutung.

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DIE MERKURTRANSITS 1631 - 1973

IMCCE: Passages des planètes Mercure et Vénus devant le Soleil - Histoire
Steven van Roode: De Mercuriusovergang van 1631

Im 12. Jahrhundert vermutete der arabische Astronom Alpetragius, dass Merkur durchsichtig sein müsse, weil er den Planeten nie vor der Sonnenscheibe gesehen hatte. Diese Vermutung war zwar nicht zutreffend, aber bereits die erste Beobachtung eines Merkurtransits - am 07.11.1631 durch Pierre Gassendi - zeigte ein Planetenscheibchen, das viel zu klein war, um mit bloßem Auge sichtbar zu sein. Zwar hatte es zwischen der Erfindung des Teleskops und dem Jahr 1631 bereits 3 Transits gegeben - aber erst im Jahr 1629 veröffentlichte Kepler erstmals Ephemeriden (für das Jahr 1631), in denen ein Merkurtransit vorausberechnet worden war.

Zum zweiten Mal wurde ein Merkurdurchgang am 03.11.1651 von Jeremiah Shakerley in Indien beobachtet. Johannes Hevelius verfaßte eine Schrift über den Merkurdurchgang, den er am 3. Mai 1661 sah. Der wohl berühmteste Merkurtransit fand am 07.11.1677 statt. Edmond Halley beobachtete ihn auf St. Helena mit einer bis dahin unerreichten Genauigkeit und entdeckte dabei das Phänomen des "Schwarzen Tropfens". Halley entwickelte aufgrund seiner Ergebnisse eine Methode (Beschreibung bei Jürgen Giesen), um mit Hilfe von Venustransits die absolute Entfernung zwischen Erde und Sonne zu bestimmen.
Obwohl Halley Merkurtransits als wenig geeignet für dieses Vorhaben erachtete, wurden im 18. Jahrhundert einige entsprechende Versuche unternommen - der ambitionierteste im Jahr 1753 - die jedoch keine zufriedenstellenden Ergebnisse brachten. Nachdem trotz vieler Widrigkeiten die Venustransits 1761 und 1769 wesentlich bessere Daten lieferten, ließ das wissenschaftliche Interesse an den Merkurtransits nach; man nutzte sie lediglich noch, um nach eventuellen Monden des sonnennahen Planeten Ausschau zu halten. Die Merkurtransits der Jahre 1878 und 1881 fanden größere Beachtung, weil sie zu Testbeobachtungen für den Venustransit von 1882 genutzt werden konnten. Recht bekannt ist auch die Beobachtung des Merkurtransits im November 1769 in Neuseeland durch James Cook, nur 5 Monate nachdem er auf Tahiti den Venustransit verfolgt hatte. Der Ort, an dem Cook den Merkur vor der Sonne sah, heißt bis heute Mercury Bay.

Pierre Gassendi
Pierre Gassendi, der bekannteste der 4 Beobachter des Merkurtransits 1631.

Die wissenschaftliche Bedeutung verging, doch die Faszination, eine ferne Welt vor der Sonne schweben zu sehen, blieb, insbesondere als die Astronomie im 20. Jahrhundert zum Hobby breiterer Bevölkerungsschichten wurde. Deshalb stößt man hier und da noch auf Fotos der beiden in Mitteleuropa vollständig sichtbaren Merkurtransits in den Jahren 1970 und 1973. Aber auch von früheren Transits, z.B. 1907, 1914 oder 1953 sind in der Literatur Abbildungen zu finden.

ERGÄNZENDE LINKS:
Steven van Roode: Nederlandse ogen op Mercurius' overgangen
Merkurtransit 1907: Foto aus Trondheim
Merkurtransit 1970: Foto aus Berlin